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Warum trinken Japaner so viel Tee?

Gastbeitrag von Aprikosen Klang
10 min Lesezeit

In ihrem Auslandsjahr in Japan hat Anne durch die japanische Teezeremonie ihre Liebe zu Matcha und grünem Tee entdeckt.

Heute schon etwas Tee getrunken? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrheit jetzt „Ja“ antworten würde, ist in Deutschland recht gering [1][2][3].

Wobei sie höher sein könnte, da ihr bereits auf Ocha-Ocha aufmerksam geworden seid… Aber zurück zum Thema. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrheit in Japan mit „Ja“ antworten würde, ist höher [4][5].

Bevor sich der ein oder andere jetzt fragt, wer das eigentlich ist, die hier einen Gastbeitrag schreibt und solche Sachen einfach so behauptet – eine kurze Vorstellung meinerseits: Ich bin Anne – auch bekannt als Aprikosen Klang.

Auf meinem gleichnamigen YouTube Kanal drehen sich die Videos meistens um Japan und oftmals auch speziell um japanischen Tee. Ich habe ein Jahr in Japan studiert und lerne bereits seit über drei Jahren die Japanische Teezeremonie. Daher bin ich auch großer Matcha-Fan und freue mich immer jede Art von japanischer Teekultur in Deutschland verbreiten zu können. Deshalb bin ich Markenbotschafterin bei Ocha-Ocha!

Doch nun zurück zum Eingangserwähnten Tee-Trink-Vergleich. Für mein Video in Cooperation mit OchaOcha habe ich eine Umfrage unter rund 30 Japanern verteilt[5].

89% der befragten Japaner trinken mindestens 1 Tasse Tee pro Tag. Über 67% trinken sogar mehr als eine Tasse pro Tag. Bei den Deutschen kommt die Durchschnittsmenge an getrunken Tee im Jahr vielleicht grade so auf ein bis zwei Tassen alle zwei Tage [1][2][3].

Würden wir noch Kriterien wie Grüner Tee, ohne Aromen oder auch zuckerfrei hinzufügen, würden die Werte sicherlich noch weiter auseinander gehen.

Und das wirft für mich eine fundamentale Frage auf: Warum trinken Japaner eigentlich so viel Tee?

Zunächst ein kurzer Diskurs in die Geschichte. Der Tee kam ungefähr zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert aus China nach Japan – und zwar zusammen mit dem Buddhismus. Daher wurde Tee zunächst oft im rituellen Zusammenhang getrunken. Es hieß Tee würde die Seele reinigen[6][7].

Nobuyoshi Tajima, Besitzer eines Teeunternehmems in Japan, spricht in einem Interview außerdem vom Aufzeigen der Gemeinsamkeiten der eigenen Seele und der Seelen der Vorfahren und Götter durch den Tee. Neben Reis sei Tee eines der Lebensmittel, die früher oftmals den Göttern dargeboten wurden. Daher sei Tee stark mit Dankbarkeit in der Japanischen Kultur verbunden.

Gute Beispiele für die Dankbarkeit in der Essenkultur sind die Ausdrücke いただきます (Itadakimasu - Ausdruck zur Dankbarkeit vor dem Essen) und ご馳走様 (Gochisōsama - Ausdruck nach dem Essen als Dank an den Gastgeber oder Koch)[7].

Im 16. Jahrhundert wurde die Teekultur in Japan nochmals stark durch Sen no Rikyū und den Weg des Tees bzw. der Teezeremonie geprägt. Zu dieser Zeit erhielt die Teekultur in Japan eine starke Verbindung zu Begriffen wie もてなし (Motenashi – die gastfreundliche Bewirtung) und しつらい (Shitsurai – die Vorbereitung oder das Einrichten der Teezeremonie). Das gab dem ganzen einen etwas gesellschaftlichen Kontext[6][8][9][10].

In der Teezeremonie spricht man häufig von einer 茶会 (Chakai – einem Tee-Treffen). Dabei geht es an sich gar nicht so sehr um die perfekte Zubereitung des Tees, sondern eher um den „Seelen-Austausch“ mit dem Gast. Durch die umfassende Bewirtung versucht man sich einander näher zu kommen. Geistig natürlich nicht körperlich. Und da sind wir bei einem Punkt angekommen, der mir in Europa schon häufig aufgefallen ist.

Oft wird ein riesiges Trara darum gemacht, wie man den perfekten Matcha zubereitet. In der Teezeremonie ist das aber recht nebensächlich. Das Wichtigste ist der Austausch der Menschen miteinander.

Während der Recherche musste ich ein bisschen an das typisch Deutsche Kaffee und Kuchen denken. In unserer Kultur hinterfragt auch niemand groß, warum Kaffee so ein überall verfügbares Getränk geworden ist. Kaffee und Kuchen sind zu einem eher gesellschaftlichen Event geworden.

Auf der einen Seite haben wir also eine starke Dankbarkeit und auf der anderen Seite die Verbindung der Menschen miteinander. Diese beiden Punkte haben sich allerdings in meiner Umfrage leider nicht direkt widergespiegelt.

Nur 15% der Befragten sahen einen Zusammenhang zwischen der Teekultur und dem Buddhismus. Oft waren dies Japaner, die mit der Teezeremonie oder Teegeschichte allgemein in Verbindung stehen. Generell sahen 78% der Befragten einen Zusammenhang zwischen der Japanischen Kultur und der Teekultur. Nur speziell mit dem Buddhismus wurde es nicht immer verknüpft.

Anhand vieler Kommentare konnte ich jedoch herauslesen, dass den meisten befragten Japanern die generellen geschichtlichen Zusammenhänge auf jeden Fall bewusst sind.

Hier ein paar Stichworte bzw. Hauptaussagen aus den Kommentaren[5]:

Tee sei ein Hauptnahrungsmittel und in der Esskultur stark vertreten. Der japanische Tee und seine Herstellungen seien etwas Einzigartiges, dass es so nur in Japan gibt.

Es wurde sogar betont, dass es für den Alltag notwendig sei bzw. nicht fehlen darf. Tee sei entspannend.

Man sagt wohl oft
今度お茶をしよう! (Kondo O-cha o shiyou! - Lass uns mal wieder Tee trinken gehen!) und meint damit eigentlich, dass man sich mal wieder treffen und erzählen sollte. So ähnlich wie man in Deutschland sagt, lass uns mal auf einen Kaffee trinken.

Für einige war es selbstverständlich jemanden Tee anzubieten, wenn er zu Besuch war - egal ob privatlicht oder beruflich. Hier fiel auch oft das Wort Motenashi aber auch Harmonie und Wabi-Sabi.


Entgegen der letzen Aussagen, waren jedoch nur 30% der Meinung, dass Motenashi (die gastfreundliche Bewirtung) das Wichtigste für die Teekultur ist. 63% der Befragten stimmten hier für den Geschmack als Wichtigstes.

Ich muss gestehen, ich hatte ziemlich große Erwartungen an meine Recherche. Ich habe Beiträge auf Japanisch gelesen und eine kleine Umfrage an Japaner verteilt um meine Aussagen nochmal zu validieren. Ich hatte gehofft vielleicht eine ganz neue Erkenntnis zu finden. Doch am Ende hat sich beides scheinbar teilweise widersprochen. Je genauer ich mich jedoch mit den Kommentaren und Antworten befasste, desto offensichtlicher wurde am Ende folgendes Fazit für mich:

Durch diese beiden starken Elemente der Dankbarkeit und des Verbindens der Menschen miteinander hat sich der Tee in Japan immer mehr mit der alltäglichen Kultur verwurzelt. Tee ist ein Grundnahrungsmittel in Japan. Wenn jemand zu Besuch kommt, wird Tee bereitgestellt.

Dadurch spielte Tee in Restaurants und Läden eine stetig zunehmend wichtige Rolle. Oft wird in Japan neben kostenlosem Wasser auch kostenloser grüner Tee zum Trinken angeboten. Selbst im modernen Japan ist der Tee in Verkaufsautomaten und Kombinis (japanische Convenience Stores) überall verfügbar und nicht wegzudenken.

Auch wenn der ursprüngliche Bezug zum Buddhismus nicht mehr von jedem Japaner so stark gesehen wird, fühlen doch die meisten, eine gewisse Ruhe, Dankbarkeit und Verbundenheit durch das Teetrinken und Teezubereiten. Eigentlich ist der Grund warum Japaner so viel Tee trinken also recht einfach. Der vorhin bereits erwähnte Teeladenbesitzer hat den Grund ganz einfach und deutlich formuliert:

だから、日本人がどうしてお茶を飲むかというと、日本人だからなんです。(Dakara, Nihonjin ga doushite O-cha o nomu-toiu to, Nihonjin dakara nan desu. - Daher, wenn man sich fragt, warum Japaner Tee trinken, ist der Grund, dass sie Japaner sind.)

Die japanische Kultur und der Tee sind so verzahnt miteinander, dass die japanische Kultur selbst die Antwort auf die Frage ist, warum in dieser Kultur so viel Tee getrunken wird. Über Jahrhunderte hinweg, hat sich der Tee in Japan eben einfach seinen Weg in den Alltag gebahnt.

Ich hoffe mein kleiner Gastbeitrag war interessant und hat eure Lust auf etwas Ocha-Ocha – Tee wie in Japan – geweckt. Im Gegenzug würde ich mich freuen, wenn ihr bei der nächsten Bestellung an mich denkt und im Warenkorb meinen Ref-Link „Aprikose“ angebt.

Und wer noch mehr über Tee und Japan erfahren mag, kann gerne auf meinen YouTube Kanal vorbei schauen! 

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